„Wer es beim RZV nicht schafft, der geht zur HZD. Wer dort nicht landen kann, der zieht weiter zum HC. Danach kommt die Dissidenz.“- Zitatende, wer immer das gesagt haben mag. Böse Sprüche und Geläster gibt es in allen mir bekannten Vereinen kostenlos, und diese Art der arroganten Vorschuss-Häme ist nicht dazu gedacht, das Klima unter uns Hovawartleuten zu verbessern.

 

Wir haben uns am Wochenende auf den umgekehrten Weg gemacht. Im letzten Frühling hat die Hoviline ihre Körung in der HZD bestanden und die Zuchtzulassung erhalten. Der A-Wurf verschiebt sich noch ein wenig, da passt die Zuchttauglichkeitsprüfung des größeren Vereins ganz gut. An einem wunderschönen Wochenende im goldenen Oktober sind wir also beim RZV, im Gebrauchshundesportverein Bühren zu Gast. Acht Hunde sind gemeldet. Für einige ist es ein Heimspiel, manch andere sind wie wir auch einen Tag zuvor angereist.

 

Erster Kandidat ist der Hund des Ausbildungswartes. Bestanden! Die Stimmung bleibt gut, es ergeben sich nette und seltsame Gespräche. Da gibt es einen Zuschauerin mit Weste der Hundeschule XY, die Malinois führt und den Hovawarten mangelnde Qualitäten als Gebrauchshund bescheinigt: „Der deutsche Schäferhund ist ja auch nicht das, was er mal war!“ Und sie erwarte von ihrem Hund, dass er „Leute schreddern“ wolle. Nun gut … auch wir sind Gast hier, und ein bisschen wie vom anderen Ufer. Wir unterhalten uns mit einer werdenden Deckrüdenbesitzerin. 9 Jahre ist der Bursche alt. Begleithundeprüfung wird er bald ablegen, hat sie bisher nicht gebraucht. Sie arbeite im Schutzdienst mit ihm. „Ach, ihr macht keinen Schutzdienst?“ Neeiin, das ist nichts für die Hundeführerin. „Dann macht ihr nichts mit ihr?“ „Doch, Mantrailing, Agility und Obedience.“ „Das“, kurze Pause, „ist viel.“

 

Unsere Hovimaus ist nach der Mittagspause dran. Der Körmeister studiert vorweg die Ahnentafel. Und wie bei einer Schau auch erfolgt nun eine Momentaufnahme.

 

Seine Kollegin beguckt die Hoviline genau. Die ist gewachsen: 2 cm größer als letzte Woche noch. Heute ist die Rute erstmalig im Leben 2 cm über dem Sprunggelenk zu Ende. Nun ja. Ich ziehe die Augenbrauen hoch, die Rute wird länger, ist jetzt noch im Standard. Stattdessen rollt sie sich ein bisschen ein, oder doch nicht? Dafür ist sie nicht lang genug. Auch wandern die Ohren nach hinten, vor allem nach dem ausführlichen Zähne zeigen. Hat sie das nicht gemieden? Nein, erwidert die Kollegin.

 

Es geht weiter zum Spiel und zum Parcours. Weil man beim Spiel sehen will, dass der Hund die Vorderbeine auf die Vorderseite von Besitzer oder Helfer stellt, haben wir das noch einmal geübt. Schließlich war es vorher 4,5 Jahre verboten, Leute anzuspringen und Füße auf mir abzustellen. Alle übrigen Stationen des Parcours sind tatsächlich neu und ungeübt für die Hoviline. Warum sie der Frau zum Zelt hinterher laufen soll, um ihr Spielzeug dort raus zu fischen, bleibt ihr schleierhaft, also bleibt sie stehen. Der Helfer mit der Riesenbeißwurst wird gerne genommen. Und los geht es in den Parcours im Wald. Der Overall erschreckt sie wirklich, das lässt sich auflösen. Nach der auf ein Blech knallenden Kette, die sie problemlos passiert, guckt sie etwas skeptisch: Was soll das denn hier werden?
Der Körmeister findet es nicht gut, dass mein Hund neben mir läuft und nicht alleine weiter vorgeht. Nun ja. Es verhakt sich an den kleinen Dingen, ich soll weiter zurückgehen, nein, noch mal Anlauf, dann stehen bleiben. Und die Hoviline steht vor einem verrückten Kerl, der in Hut, Sonnenbrille und Regencape von einem Wegrand zum anderen hopst und sie immer wieder fixiert. Dann bleibt er stockensteif stehen. Wir gehen hin. Er wird begrüßt und demaskiert. Es folgen noch der zuckelnde Schlitten mit Pappfigur, zwei Schüsse und zurück auf dem Hundeplatz kommen drei Menschen im Klu-Klux-Klan-Look auf sie zu: die Gespenster. Sie bleibt interessiert und freundlich. Noch einmal spielen und dann die Bewertung. Unsere Hündin begrüßt wedelnd den Pilzsammler: Wir kennen uns doch!

 

Der Körmeister beschreibt ihren Exterieur treffend. Ja, die Marken sind knapp und vollständig, die Winkelungen gut. Die Beschreibung des Verhaltens klingt gruselig für meine Ohren: „Die Gute hat sich durch gemogelt.“ Ein ruhiger Charakter mit überraschend gutem Beutetrieb wird ihr bescheinigt. Wie auch immer, bestanden. Die Heimspieler trösten uns: Es macht ja fast keiner Hundesport, ihr bekommt die späteren Welpen sicher unter, es muss ja auch Familienhunde geben…

 

Kurz drauf ist die Veranstaltung zu Ende, mit Hund und Unterlagen fahren wir nach einem letzten Gang über die herbstlichen Wege 5 Stunden nach Hause.

 

Erst da lesen wir die Bewertungsbögen. Und die sind gut!! Der aus dem Gebüsch springende Overall hat Punkte gekostet, das Zelt auch, klar. Zum ersten Mal in ihrem Leben hat die Maus nicht mit Begeisterung fremde Menschen bespielt, aber gemacht hat sie es. Alles andere wurde mit doppeltem Pluszeichen versehen, der bestmöglichen Bewertung.

 

Mein Fazit des Wochenendes: Insgesamt hebt die ZTP des größten deutschen Hovawart-Zuchtvereins darauf ab, wie selbständig der Hund auch unter Stress „Probleme löst“. Das selbständige Agieren ist etwas, was ich bei unserer Hündin in den vergangenen Jahren nicht gefördert habe. Menschen, denen wir begegnen, werden von ihr angezeigt und von MIR gecheckt. Umweltreize jeglicher Art sind im Alltag kein Problem. Auf dem Hundeplatz haben wir Spaß, außerhalb reichlich Impulskontrolle.

 

Auch der beschriebene Parcours ist natürlich übbar, das unverfälschte originale Verhalten zu erwarten eher utopisch. Nach der Prüfung animierte eine Frau ihrem jungen Hund zum Spiel mit Anspringen. „Für`s nächste Jahr“, sagt der Ausbildungswart.