„Also, ein Hund , der in die Zucht soll, der muss doch mindestens die Begleithundeprüfung geschafft haben.“ So so. Und Begleithund, das ist doch sicher auch der Beweis, dass mein Hund ein guter Begleiter in allen Lebenslagen des Alltags ist? Nee, nee. Das ist eher sowas Spezielleres, lerne ich: der Hund läuft ja auch links, damit ich rechts das Gewehr bedienen kann. Und so melde ich mich ja dann auch zur Unterordnungsteil einer Begleithundeprüfung an, einen guten Tag brauch ich nicht: „Hundeführerin mit Hund Hoviline meldet sich …“  Oh, ich hasse Unterordnung noch mehr als … - nein, mein Hovi ordnet sich ein und tut sich nicht halb so schwer wie ich. Aber wann immer ich in einem Verein mit meinem Hund aufkreuze, mich etwa anmelden will zur Nasenarbeit, heißt es: "Soll ihr Hund erst mal die Begleithundeprüfung bestehen." Wenn ich dann noch lese, dass der DVG jetzt Mantrailing als Sportprüfung anbietet nur nach bestandener Begleithundeprüfung und ausdrücklich NICHT die Einsatzfähigkeit des Hundes in der Rettungsarbeit zum Thema macht, dann versteh ich die Welt und die Bezeichnung „Gebrauchshund“ gar nicht mehr. Wie auch immer, wir schaffen das. Jetzt haben wir sogar schon eine „Basisgruppe“ gefunden, die beim Training den Verzicht auf den „Stachel“ für möglich hält. Es kann losgehen mit der Hundebegleitprüfung. Erster Termin bei Flutlicht, -1° Grad und Schneeregen. Es gibt vorab fünf Zettel, mit allen Elementen zum Ankreuzen, wo wir stehen - oder abliegen. Mein Hund kann 1 – 5 – 10 - 15 m entfernt von mir in der Ablage verharren mit und ohne Blickkontakt, verliert in der Freifolge nie, nur selten, bei jeder Wendung den Blickkontakt, prescht vor, hängt nach… Gut, die abgehakte Liste sieht gar nicht so schlecht aus, und manches Detail ist im Hinblick auf weitere Ambitionen in Obedience oder THS aufgelistet. Der Hund darf es gerne gleich richtig lernen.

Wir laufen gesittet mit unseren Hunden im Kreis und Schlangenlinien an den anderen Teams vorbei und beginnen mit der Begrüßung des „Richters“: Hund in Grundstellung, zwei Teams gehen auf den Richter zu. Idealerweise guckt die Hoviline mich während der ganzen Begrüßung an. Das sieht a) gut aus und b) hat sie keine Zeit, ihren Intimfeind aus der Junghundestunde vor einem Jahr zu fixieren. Dass der sie damals frech angepöbelt hat, ist noch nicht zu den Akten gelegt. „Schau!“ mich an. Die Hoviline ist noch nicht fertig mit der Überprüfung des Abends, schweift immer mal wieder ab in den Türstehermodus: Was machen die da drüben? Na gut, aber fixieren gibt es nicht. „Schau!“ Überhaupt ist das hier sonst der Ort der sonntäglichen Agility-Party, beste Abendessenszeit. Die Spannung ist hoch, der Hund bellt. Pause, anbinden am Zaun, zur Ruhe kommen lassen oder (bei eisigen Boden nur kurz) ablegen. Vielleicht sollte ich sie beim nächsten Mal auch nicht so vollsülzen mit: „Alles gut.“ Bis sie mir eben das nicht mehr glaubt. Da rede ich ja sonst auch nicht drüber. Die Nachbarin belohnt ihren knurrenden Hund mit wilden Zergelspielen – ich gehe mit der Hoviline ruhig umher. Hochfahren und in Spannung bringen brauch ich jetzt nicht mehr. Freifolge lassen wir heute, auch Fluggeräte würden jetzt den Rahmen sprengen. Leinenführigkeit, Wendungen, alles bestens, Grundstellung ist gerade, je mehr die Hoviline an Aufträgen bekommt, umso besser geht es. Das Warten ist unsere Sache nicht, bei längeren Erklärungen legt sie sich ungefragt hin, und mir ist jetzt rundum kühl und frisch zumute. Warum nur tu ich mir das an?

Verrückterweise macht es Spaß. Die Trainerin erklärt gut, das Training ist nachvollziehbar aufgebaut, es gibt verschiedene Lernschritte, wir besprechen kleinschrittiges Vorgehen beim Aufbau neuer Übungen und punktgenaues Belohnen und: Unser mangelnder  Ehrgeiz bezüglich ihres Steckenpferdes Obedience wird berücksichtigt. Und weil die Hoviline es gut findet und es ihr gut tut, fahren wir da wieder hin.
P.S. Die Begleithundeprüfung haben wir ein halbes Jahr später auf einem fremden Platz abgelegt. Die Hoviline war mit der höchsten Punktzahl Tagesbeste und ich stolz wie Oskar. Zum Agility und Mantrailing gehen wir weiterhin, und ins Obedience schnuppern wir nun auch. „Zehn Hundesportler  wurden gefragt, was sie in ihrer übrigen Freizeit tun. Acht verstanden die Frage nicht. Zwei schliefen ein.“ – Verfasser unbekannt.