An den Tagen, wo die Nerven vielleicht schon blank liegen nach der Arbeit oder es schrecklich heiß ist, die Zahl der mitmenschlich unerfreulichen Hundebegegnungen überhandgenommen hat und klar geworden ist, dass es Zeit wird, sich nur noch zu ärgern über die, die man heiraten oder adoptieren möchte, an den Tagen, die nur noch durch ein Lächeln vor dem Chaos zu retten sind, an diesen Tagen könnte eine Runde Bingo für Erheiterung des trüben Gemütes sorgen.

 

Vorab eine Einführung für die Neulinge:

Das übliche Bingo-Zahlen-Spiel besteht aus drei Gewinnrunden. Bei der ersten Gewinnrunde werden so lange Zahlen alle 10-15 Sekunden Zahlen gezogen, bis einer der Mitspieler eine Reihe vertikal, horizontal oder diagonal vollständig abgekreuzt hat.

In der sich anschließenden zweiten Gewinnrunde steht der Sieger fest, sobald zwei Reihen vollständig sind.

In der dritten und letzten Runde geht es um die Bedeckung aller Zahlenkästchen. Sind alle Zahlen der Bingo-Karte genannt worden, liegt ein Full-House vor.

Jede Spielrunde endet mit dem legendären „Bingo“-Ruf. Die Anzahl der Mitspieler ist nicht begrenzt.

Beim nachmittäglichen Spaziergang ist keine Kugeltrommel a la Samstagslotto vorhanden, aber das ist für das Bullshit Bingo auch nicht nötig: Statt Zahlen werden hier auf dem Bingokärtchen Weisheiten und Platitüden der Hundewiesen-Community angekreuzt. Lustiger ist es mit etwas Wettbewerbsgeist und einigen Freunden. Mal sehen, wer zuerst „Bingo!“ rufen kann.

 

„Ist das ein Rüde? Oder ein Mädchen?“ , so lautet eine beliebte Frage, wenn die Verantwortung für Wohlverhalten des eigenen Hundes von seinen sexuellen Vorlieben abhängig gemacht wird Das ist noch zu toppen, wenn die Hoviline läufig ist und der fremde Rüde zu ihr geführt wird mit der rhetorisch anmutenden Frage: „Aber riechen darf er mal!?!“
„Der ist kastriert, der kann nicht mehr“,
das lässt mich mit Grausen die Flucht ergreifen. Weil der betreffende Rüde offline ist und bleibt und meist trotzdem versucht, was er nicht mehr kann … Sehr lästig.

 

„Der tut nix. Der will nur spielen.“ Das ist schon so abgelutscht, dass ich es schon lang nicht mehr gehört habe. Ein unschlagbares Argument, den Hund weiter frei laufen zu lassen, als wäre das Einhaken der Leine mittels Karabiner eine feinmotorische Herausforderung, die nicht zu wuppen ist. Manchmal ist es auch nur gelogen.

 

„Da können die Hunde mal so richtig toben.“ Das passt immer gut am Hundestrand mit 150 anderen Hunden, die sich ohne ihre Besitzer beschäftigen müssen. Die setzen auch ihr zweijähriges Kind in den Sandkasten, sagen: „Spiel schön“, und daddeln auf dem Smartphone.

Hunde brauchen soziale Kontakte: „Ich lass meinen mal an ihren.“ Das hört man als Besitzer eines Hovawarts seltener als mit dem kleinen Puschel. Kleine Hunde benötigen offenbar mehr soziale Kontakte als große, dunkle.

Bei meiner Hündin habe ich eher Chance, bei: “Meiner mag keine großen schwarzen Hunde.“, ein Kreuzchen zu setzen. Ich empfehle meinem Gegenüber, an dieser Stelle stocksteif mitten auf dem Weg stehen zu bleiben, die Worte „Gaanz ruhig!“ in Endlosschleife zu wiederholen und den eigenen Hund vor sich an straffer Leine zu positionieren. Dann klappt das mit dem Nichtmögen garantiert und die Entscheidung hierüber trifft der Vierbeiner.

 

„Das regeln die unter sich.“ Unsere Hovawarte wiegen um 30 bis 45 kg. Wenn das Gegenüber, das zum Regeln los geschickt wird, unter 10 kg entgegen zu setzen hat, entspricht der Größenwahn des Halters der Lautstärke des Gekläffs. Alternativ dürfen Sie ankreuzen, wenn sie mit ihrem großen Hund hören: „Geh mal hin und lass dich erziehen.“

 

Stimmung kommt auf, wenn Ressourcen ins Spiel gebracht werden. „Ich werfe mal einen Ball, da haben alle bestimmt Spaß dran.“ Es gibt auch schwimmendes Futter für den Spaziergang am Hundestrand.

 

Ich finde ja, dass: „Darf Ihr Hund ein Leckerchen haben?“ besonders gut ankommt. Sonderpunkte gibt es, für „selbst gebacken“ und „hypoallergen“ oder „bio“ und die Feststellung, dass der eigene Hund „eifersüchtig“ ist

 

„Ich hatte früher selbst einen Hund.“ Das kann nett sein oder Rechtfertigung für heftiges Klopfen auf die Rippen, ohne mich oder den Hund vorher anzusprechen. Die lautstarke Beschwerde: „Die lässt sich nicht streicheln!“ lassen wir auch gelten. Gerne frage ich dann, ob die betreffende Person ebenso selbstverständlich sich an der Bushaltestelle abknutschen lässt wie sie Enthusiasmus bei meiner Hoviline erwartet.

 

„Das kann die ab.“ Würde ich das sagen, wenn zwei andere Hunde wie verabredet meine Hündin auf den Rücken drehen und nicht mehr aufstehen lassen? Und würde ich als Gegenüber meinen Hund lässig nicht einsammeln, weiter gehen und sagen: „So ist das halt, wenn drei sich treffen?“ Der norddeutsch rustikale Umgang ist nicht so meins, auch wenn meine Hündin gerade obenauf ist. Denn: „Eigentlich ist sie ja eine liebe.“

 

„Das hat er ja noch nie gemacht.“ Dieser Klassiker ist einer der peinlichsten Sätze, die man sagen muss bei beim ersten Popel-Schleim-Streifen auf der fremden Hose oder Pfotenabdrücken…

 

Mit „Sonst hört er immer.“  und „Kommst du jetzt hierher?“ hätten wir ohne die Leckerli-Sonderpunkte schon drei Bingo-Runden zusammen und könnten loslegen, ohne die Themenbereiche hypoallergene Hundenahrung, alternative Wege der Zeckenabschreckung und die Gefahren der Chemiekeule, den Output oder die Hormon-Chips zu berücksichtigen. Und auch: „Was bist du denn für ein Feiner?“, bliebe für die Finalrunde. Bingo.